Nurit Peled-Elhanan und Samira Alayan: Das Bild der Anderen: Propaganda in Schulbüchern

Posted on 26 Mai 2013

Palästina-Tage 2013
Samstag, 22.06.2013  19:30

Gemeinsam präsentieren Nurit Peled-Elhanan und Samira Alayan ihre Forschungsergebnisse zu israelischen und palästinensischen Schulbüchern.

Nurit Peled-Elhanan ist Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft und Erziehungswissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Sie veranschaulicht, durch welche sprachlichen und visuellen Stilmittel die israelischen Lehrbücher den israelisch-palästinensischen Konflikt verzerrt und einseitig darstellen und sogar das Töten von Palästinensern legitimieren. Diese Darstellungsweise dient der Sicherung eines stabilen jüdischen Staates, der Vorbereitung der Jugend auf den Wehrdienst und der Rechtfertigung der Besatzung. Ebenso analysiert sie die Propagandatechniken in israelischen Geographiebüchern, die ein Zerrbild der geopolitischen und sozialen Fakten zeichnen und somit die soziale Isolierung aufrecht erhalten undFeindseligkeit fördern.

In dieser Indoktrination sieht die Referentin eine wesentliche Ursache für die Unterdrückung der Palästinenser. Die Apartheid sei nicht nur eine Ansammlung rassistischer Gesetze, sondern ein geistiger Zustand, der durch die Erziehung geformt werde. “Dem israelischen Bildungssystem gelingt es, mentale Mauern zu errichten, die weit dicker als die Betonmauern sind, die gebaut werden, um das palästinensische Volk einzusperren und seine Existenz vor unseren Augen zu verstecken.“

N. Peled-Elhanan, Palestine in Israeli School Books: Ideology and
Propaganda in Education, 2012

Samira Alayan ist Kriminologin und Erziehungssoziologin. Sie war Lehrbeauftragte in der Lehrerausbildung in Jerusalem und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hebräischen Universität Jerusalem und am Georg-Eckert- Institut für Internationale Schulbuchforschung (Braunschweig).

Schulbücher formen maßgeblich die soziale, kulturelle und politische Orientierung junger Menschen. Vor diesem Hintergrund untersucht Samira Alayan die Lehrpläne und das Unterrichtsmaterial im Fach Geschichte im Geltungsbereich der palästinensischen Autonomiebehörde. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Konzeption des “Selbst“ (der Palästinenser) und “der Anderen“ (der Israelis): Die Palästinenser sehen sich selbst als Teil einer größeren arabischen Gemeinschaft. Der Zionismus als politische Ideologie erfährt strikte Ablehnung; Respektlosigkeit oder Rassismus gegenüber dem Judentum als Religion oder Community gibt es jedoch nicht.

Ebenso untersucht Samira Alayan die Lehrpläne und Schulbücher für die palästinensischen Bürger Israels, die etwa 20% der Bevölkerung ausmachen. Die jüdischen und palästinensischen Kinder und Jugendlichen werden in getrennten Schulen nach separaten Lehrplänen unterrichtet – alle jedoch nach Vorgaben des israelischen Erziehungssystems. Die einseitige Darstellung des nationalen Narrativs des Staates Israel verleugnet die palästinensische Geschichte und Identität.

S. Alayan, A. Rohde, S. Dhouib (Hrsg.): The Politics of Education Reform in the Middle East, Self and Other in Textbooks and Curricula, 2012

Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung

Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek
Eintritt 7 Euro


Responses are closed for this post.

Recent Posts

Tag Cloud

Meta

Palästina Komitee München is proudly powered by WordPress and the SubtleFlux theme.

Copyright © Palästina Komitee München